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Beim Durchforsten des aktuellen Weltgeschehens fühlt man sich in diesen Tagen wie ein Mitglied einer surrealen Parallelwelt. Das sei jetzt noch nicht einmal auf die fragwürdige Ehrung des amerikanischen Präsidenten mit dem Friedensnobelpreis bezogen, sondern vielmehr auf einen Kündigungsprozess, welcher momentan in Nordrhein-Westfalen für Aufregung sorgt. Folgende Situation: Der Bauverband Westfalen hatte zu einem kleinen Geschäftsimbiss geladen, um sich in ungezwungener Atmosphäre geschäftlich näher zu kommen. Mit der Vorbereitung des Snacks wurden zwei Sekträterinnen der Firma beauftragt, die sich so gleich auch fleißig an das Schmieren der Brötchen machten. Bei der Gelegenheit haben sich die beiden Frauen auch Brötchen für sich selbst geschmiert und dieses so gleich verzerrt.

Der Chef des Bauverbandes hat davon erfahren und war von dem Verhalten der Sekretärinnen schockiert und sah darin einen klaren Vertrauensmissbrauch, so dass er den zwei Mitarbeiterinnen als gleich die fristlose Kündigung ausgesprochen hat. Die beiden Frauen versuchten nun über eine außergerichtliche Einigung den Konflikt zu schlichten – allerdings stieß dies bei dem Arbeitgeber auf taube Ohren. Gegen die Entlassung haben die beiden Mitarbeiterinnen, meiner Meinung nach völlig zu Recht, nun Anklage beim Arbeitsgericht Dortmund eingelegt.

Die Chancen, dass der Richter der Kündigung widerspricht stehen dabei nicht allzu schlecht, weil in ähnlichen Fällen die Kläger ebenfalls Recht bekommen haben. Zum Beispiel als in Mannheim ein Müllmann entlassen wurde, weil er ein weggeworfenes Kinderbett mitnahm. Die Kündigung wurde von dem zuständigen Arbeitsgericht als ungültig erklärt. Dennoch halte ich es für unverständlich, wie ein Arbeitgeber wegen eines Brötchen-Diebstahls lang jährige Mitarbeiter entlassen kann. Der „Schaden“, der dadurch entstanden ist befindet sich im Cent-Bereich und dürfte, damit nicht von Relevanz für den Erfolg der Firma sein. Zudem drängt sich dabei immer mehr der falsche Eindruck auf, dass wir in einer Gesellschaft von Kleinkriminellen leben, in der mutmaßlich die Chefs verprellt werden.

Ich halte die Kündigungen, deshalb für nicht gerechtfertigt und hoffe, dass das Arbeitsgericht den beiden Frauen Recht gibt. Zudem hat bestimmt jeder schon einmal sich aus der Mitarbeiterküche bedient oder einen Kugelschreiber der Firma benutzt, haben wir deshalb aber auch gleich das Vertrauen unseres Arbeitgebers missbraucht? Eine solche Willkür sollte es in der deutschen Arbeitswelt nicht geben.



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